Ein aufgeräumter Garten ist ein leerer Garten

September ist die Zeit, in der in vielen Gärten der grosse Herbstputz beginnt. Stauden werden abgeschnitten, Laub gerecht, Beete freigemacht. Der Garten soll ordentlich in den Winter gehen.

Auf dem Hof Schwarzenbach machen wir das nicht. Zumindest nicht so.

Was jetzt stehen bleibt — und warum

Die verblühten Samenstände an den Stauden lassen wir stehen. Was auf den ersten Blick nach liegengebliebener Arbeit aussieht — trockene Stengel, leere Kapseln, zerzauste Köpfe — ist für Vögel wie Finken, Meisen und Spatzen eine Speisekammer. Die Samen halten sich oft bis tief in den Winter, manchmal bis ins Frühjahr.

In den hohlen Stengeln mancher Stauden und Kräuterpflanzen überwintern ausserdem Wildbienen und Florfliegen. Diese Insekten legen ihre Eier oder sich selbst in die Stengel ein — geschützt, trocken, von aussen kaum sichtbar. Ein frühzeitiger Rückschnitt zerstört genau diese Winterquartiere, noch bevor sie genutzt wurden. Deshalb warten wir bis spät im Frühjahr — dann können die Stengel behutsam geräumt werden, wenn die Insekten längst aktiv sind.

Was liegen bleibt

Der Laubhaufen unter dem Gehölz am Gartenrand bleibt liegen. Laub ist kein Abfall: Es bietet Käfer, Spinnen, Tausendfüssler und Amphibien Versteck und Überwinterungsraum. Im Innern hält sich die Temperatur stabiler als an der Oberfläche. An einem schattigen Platz kann so ein Laubhaufen einem Igel als Winterquartier dienen — die schattige Lage ist wichtig, damit er nicht zu früh aus dem Winterschlaf aufwacht.

Auch Totholzstrukturen und Asthaufen in der Hecke bleiben, wo immer sie vorhanden sind. Locker aufgeschichtetes, unterschiedlich dickes Holz bietet Kleintieren Rückzugsräume, die ein gepflegter, ausgefegter Garten schlicht nicht hat.

Naturnah — aber nicht planlos

Naturnahe Herbstpflege bedeutet nicht, dass alles stehen und liegen bleibt. Wege bleiben gepflegt. Gemüsebeete werden geräumt und vorbereitet. Kulturen, die im Boden überwintern, werden abgedeckt.

Die wilden Ecken, der Laubhaufen, die stehengelassenen Samenstände — das sind bewusste Entscheidungen, keine vergessene Arbeit. Der Unterschied liegt im Hinschauen. Wer weiss, was in einem Laubhaufen lebt, räumt anders auf.

Stehen lassen ist auch eine Form von Pflege

In den letzten Wochen haben wir die Ernte haltbar gemacht, die Saat gesichert, den Boden bedeckt. Diese Woche richten wir — ohne grossen Aufwand — Winterquartiere ein. Wir tun das, indem wir einiges stehen und liegen lassen.

Nicht aus Faulheit. Aus Rücksicht.

Ein aufgeräumter Garten im Herbst ist oft ein leerer Garten im Winter. Und ein leerer Garten braucht im Frühling länger, um zurückzufinden — weil die Tiere fehlen, die ihn beleben.

Was hier jetzt wie Unordnung aussieht, ist im Winter eine Adresse. Für einen Igel, eine Wildbiene, eine Florfliege, eine Amselfamilie.