Der Herbst ist Pflanzzeit — jetzt setzen, was erst in Jahren trägt

Draussen zieht sich alles zurück. Die Blätter lösen sich ab, die Stauden brechen ein, der Garten wird leiser. Und gerade jetzt, in diesem scheinbar ruhigen Abschluss des Gartenjahres, stehen wir mit dem Spaten da.

Kein falsches Timing. Der Herbst ist Pflanzzeit.

Der warme Boden, den man nicht sieht

Was den Herbst zur guten Pflanzzeit macht, ist unsichtbar: Der Boden ist nach einem langen Sommer noch warm, auch wenn die Luft schon kühl geworden ist. Und solange er offen und ungefroren ist, bleiben die Wurzeln aktiv. Eine Pflanze, die jetzt gesetzt wird, bildet über die Herbst- und milden Wintertage feine Wurzeln — Verbindungen zum Boden, die sie ernähren und halten.

Im Frühling treibt sie dann mit Vorsprung aus. Kräftiger, tiefer verwurzelt, widerstandsfähiger gegen Frühjahrstrockenheit als eine Pflanze, die erst im März in die Erde gekommen ist.

Das weiss man in der Gärtnerei seit Generationen. Baumschulen und Staudengärtner führen ihr grösstes Sortiment im Herbst — nicht ohne Grund.

Was jetzt gesetzt werden kann

Solange der Boden offen ist — im Berner Oberland schliesst er sich im Verlauf des Oktobers mit den ersten stärkeren Nachtfrösten — lohnt sich das Setzen von Gehölzen, Beerensträuchern, Obstbäumen und Stauden.

Besonders bei sogenannter wurzelnackter Ware, also Pflanzen ohne Topf und Erdballen, ist der Herbst der klassische Pflanzzeitpunkt: Die Wurzeln kommen direkt mit dem gewachsenen Boden in Kontakt. Wenn man sie vor dem Pflanzen einige Stunden wässert, starten sie ohne Trockenstress.

Das Pflanzloch: grosszügig — tiefer und weiter als der Wurzelballen es braucht, damit der gelockerte Boden ringsum die Wurzeln aufnimmt. Nach dem Einsetzen gut angiessen, auch wenn es kühl ist. Danach: warten.

Blumenzwiebeln für den Frühling — Tulpen, Narzissen, Krokusse — werden ebenfalls jetzt gesetzt, möglichst noch im Oktober, damit sie vor dem Gefrieren einwurzeln können.

Das lange Denken

Auf einem Permakultur-Hof wie dem Schwarzenbach, der sich seit 2018 über die Jahreszeiten hinweg entwickelt, gehört das herbstliche Pflanzen zu den Gesten, die nicht sofort sichtbar werden.

Einen Strauch setzt man nicht für diesen Sommer. Einen Obstbaum nicht für nächstes Jahr. Man setzt ihn für die Jahre danach — für die Äpfel in zehn Jahren, für den Schatten, für die Insekten, die im Blütensommer einziehen werden, für den Boden, der von Jahr zu Jahr reicher wird.

Geduld ist hier kein Warten im Nichtstun. Es ist eine Handlung. Man bereitet etwas vor, dessen Anfang man selbst sieht — und das die Jahre danach erst zeigt, was es wirklich geworden ist.

Das ist das lange Denken der Permakultur. Und es beginnt mit einem Pflanzloch im Oktober.

Das Fenster schliesst sich

Noch ist der Boden offen. Noch ist Zeit. In den kommenden Wochen werden die Nächte kälter, die ersten Fröste setzen ein — dann ist das Pflanzfenster zu.

Wer im eigenen Garten noch etwas Mehrjähriges setzen möchte — einen Beerenstrauch, eine Staude, ein kleines Gehölz — hat jetzt eine gute Gelegenheit.

Wenn der Frühling kommt, wird man sehen, was begonnen hat.


Mehr aus dem Gartenjahr auf dem Permakultur-Hof Schwarzenbach: permakultur-schwarzenbach.ch